Geschichte/
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(Kartenbild © HRO Rostock (CC BY 3.0))
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Geinitz-Karte 1887
zum Vergrößern klickenAusschnitt Schmettau-Karte 1788
Alt Bartelsdorf – Vergessenes Dörfchen hinter der Autobahn
von Wilfried Steinmüller, 2013

Alt Bartelsdorf, Neu Bartelsdorf, Klein Bartelsdorf waren über viele Generationen die drei Teile einer einst geschlossenen Dorfgemeinschaft. Nur wenige Rostocker kennen heute auch nur einen dieser drei Ortsnamen. Dank moderner Verkehrsverbindungen bedarf es heute einer halben Weltreise wenn die Bewohner dieser Teile sich besuchen wollten. Zwei Bahnlinien, das Autobahnkreuz Bentwisch und eine Kreisgrenze trennen sie in unserer Zeit unüberbrückbar.

Als der Bischof von Schwerin am 17.8.1280 dem Collegiatsstift zu Bützow sein Gemeinwesen „Barteldstorpe“ für 170 Mark Silber verkauft, findet das Dorf seine erste Erwähnung.

Oft wechseln in den folgenden Jahrhunderten die Eigentümer des einträglichen Dörfchens, sie kommen von der schwedischen Insel Gotland, aus der Residenzstadt Güstrow und schließlich nach dem Dreißigjährigen Krieg das Kloster in Ribnitz. Neben 18 Gebäuden und einer großen Anzahl Vieh findet sich in der klösterlichen Bestandsaufzählung auch eine „Gauthe“, ein Holzblock zum Bestrafen der Bauern durch Krummschließen.

Wahrzeichen des Dorfes waren über Jahrhunderte immer eine oder mehrere Windmühlen.
Weil der Dieb Jochim Kolberch hier den Müller 1553 bestahl, wurde er schließlich statt zum Galgen zum Schwerte „begnadigt“. Schlechter erging es da Trina Beneken die einige Jahre später unter der Folter gestand Erde vom Bartelsdorfer Kreuzweg geholt und im Bade mit dem Teufel gebuhlt zu haben. Die Gnade des Schwertes wurde ihr nicht zu teil, sie erlitt den Feuertod.

Selbst der Landesherr Herzog Gustav Adolph ließ hier 1687 Hof halten und empfing seinen Schwiegersohn den Grafen von Stollberg aus dem Harz. Die Rostocker hatten zuvor Zelte, Tisch und Bänke, Alicantewein und Eierbrot hierher zu schaffen.

Erst im Jahr 1781 gelang es der übermächtigen Hansestadt Rostock, das am Stadtrand gelegene Dörfchen dauerhaft in Besitz zu nehmen, die nun meistbietende Pächter suchte um ein Schärflein ins Stadtsäckel fließen zu lassen.

An das historisch gewachsene Dorf hinter dem Blumencenter „Grönfingers“ und einem großen Baumarkt erinnert in unseren Tagen nur noch das Gutshaus.
Lange diskutierte die Rostocker Bürgerschaft im Jahr 1913 bis der Bau eines neuen Gutshauses beschlossen war. Die Bausumme von 30.000 Mark sollte nicht überschritten werden. Gustav Wilhelm Berringer erhielt schließlich den Auftrag das neue Haus zu projektieren und die Bauausführung zu leiten. Gerade von einer mehrjährigen Italienreise zurückgekehrt, war Berringer unmittelbar zuvor Stadtbaumeister der Hansestadt geworden. Eine bemerkenswerte Anstellung nach gerade abgeschlossener Berufsausbildung. In seinen 22 folgenden Dienstjahren auf diesem Stuhl entstanden auf seinem Reißbrett so bedeutende Bauten wie das Kurhaus in Warnemünde und die Schule am Goetheplatz. Sein Erstling, das Alt Bartelsdorfer Gutshaus jedoch wird nur selten noch von vorbeifahrenden Autofahrern, beim Verlassen der Hansestadt via Vorpommern, eines flüchtigen Blickes gewürdigt.

Aus dem Jahrbuch für Geschichte und Alterthumskunde 1894
ergänzt durch Berth Brinkmann

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