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Tessiner ChausseeHistorische Ansichten NNN
Der Ursprung von Brinckmansdorf
von Dr. Joachim Lehmann

Geburt und Taufe eines Rostocker Stadtteils

Die sogenannten Kriegerheimstätten an der Tessiner Straße gelten als die Keimzelle für den heutigen Rostocker Ortsteil Brinckmansdorf. Was verbirgt sich hinter diesem Begriff und wie und wann sind sie entstanden?

Das Rostocker Stadtarchiv bewahrt Unterlagen, aus denen sich solche Fragen beantworten lassen. Ab Sommer 1915, also zum Ende des ersten Jahres des damaligen Weltkriegs, sind Bemühungen unterschiedlichster Organisationen, Vereine und anderer Einrichtungen dokumentiert, um Soldaten und Kriegsopfern  Unterstützung zu gewähren. Die Reaktionen auf derartige Vorstellungen waren überwiegend positiv.

Im Sommer 1916 engagierte sich die Gemeinnützige Gesellschaft Rostock in der Frage Kriegerheimstätten. Sie plädierte für eine Kriegerheimstättenstiftung. Vorerst entstand eine "Kommitte zur Förderung der Gründung von Kriegerheimstätten", die sich  wegen der Bereitstellung entsprechender Wohnungen am 19. Juli 1916 an den Rostocker Rat wandte.

Aus dem Kontext der überlieferten Akten ist ersichtlich, dass verschiedene Standorte zur Diskussion standen unter denen das Kassebohmer Gelände – das Areal südlich der Tessiner Chaussee - noch nicht vorgesehen war.

Diese Kommitte  übermittelte am 25. September 1916  dem Rat einen Entwurf der Satzungen für eine Rostocker Kriegerheimstättenstiftung. Eine Landesherrliche Bestätigung der "Satzungen der Rostocker Kriegerheimstättenstiftung" erging am 8. August 1917.

Die Satzungen definierten in den Eingangsparagraphen eindeutig den Zweck der Stiftung:
"§ 1
Um für bedürftige Krieger, insbesondere Kriegsbeschädigte oder deren Angehörige, auf heimatlichem Boden Heimstätten zu schaffen, in denen sie eine gesicherte Wohn- und Arbeitsstätte finden sollen, ist auf Anregung der Gemeinnützigen Gesellschaft die Rostocker Kriegerheimstättenstiftung gegründet worden.
§2
Das Vermögen der Stiftung besteht:
a) aus Kapitalien, die aus freiwilligen Gaben gesammelt werden;
b) aus Liegenschaften, die von der Stadt Rostock unentgeltlich und lastenfrei zur Verfügung gestellt und im Grundbuch auf die Stiftung übertragen werden." Die Auswirkungen der zunehmend schwierigen Lage im letzten Jahr des Weltkriegs scheinen zudem die konkreten Planungen und vorbereitenden Arbeiten verzögert zu haben.
Erst am 22. Juli 1919 wandte sich die Kämmerei der Stadt wegen der Bereitstellung eines Geländes für die Kriegerheimstättenstiftung an den Rostocker Rat.

Am 8. September 1919 beschloss daraufhin die Bürgervertretung: "Wir genehmigen die Vorlage betreff. Überweisung eines 30700 qm großen Baugeländes südlich der Tessiner Chaussee und östlich der Kramonstannen für die Kriegerheimstättenstiftung."
Dieser Beschluss wurde der Kämmerei am 10. September übermittelt: "Die Kämmerei wird beauftragt, das weiter Erforderliche zu veranlassen, auch das Kuratorium der Kriegerheimstättenstiftung hiervon in Kenntnis zu setzen."

Am 16. November 1919 meldete der "Rostocker Anzeiger" den Baubeginn an der Tessiner Chaussee und gab zu Jahresbeginn 1920 einen Zwischenbericht zum Stand der Dinge. Im Sommer 1920 zogen die ersten Mieter ein.

Am 25. Oktober 1920 genehmigte die Stadtverordnetenversammlung auch Bauten nördlich der Tessiner Chaussee mit einem Bebauungsplan für das Gelände östlich der sogenannten "Neuen Anlagen" (= heute Wossidlopark).

Von einem Ortsteil Brinckmansdorf war aber in der Öffentlichkeit bis dato noch keine Rede. Woher die Idee für diese Benennung stammt ist derzeit noch nicht zu sagen, weil Unterlagen darüber bislang noch nicht aufgefunden worden sind.

Fest steht aber das Ergebnis von Überlegungen in dieser Richtung.  Am 11. April 1921 genehmigte die Stadtvertretung Namensvorschläge für verschiedene neue Siedlungen am Stadtrand, unter denen sich auch die im Entstehen begriffene Gründung beiderseits der Tessiner Chaussee befand.

Die offizielle Veröffentlichung vom 19. April 1921 lautete:
"Für neu angelegte Straßen und Siedlungen sind folgende Benennungen beschlossen worden:... .
D. Rostock-Brinckmansdorf (die Siedlung auf Riekdahler und Kassebohmer Gebiet)
1. Kaspar Ohmweg (Weg am Hang diesseits der "Neuen Anlagen"), 2. Peter Lurenzweg (Weg an der Westgrenze der "Neuen Anlagen"),  3. Eikaterweg (Weg an der Ostgrenze der "Neuen Anlagen"), 4. Greten Weschenweg (erste Querstraße zur Tessiner Chaussee jenseits der "Neuen Anlagen"), 5. Unkel Andresweg (zweite Querstraße zur Tessiner Chaussee jenseits der "Neuen Anlagen"), 6. Vagel Griepweg (Parallelweg ur Tessiner Chaussee),  7. Vagel Griepplatz  (Platz zwischen Kaspar Ohmweg und Vagel Griepweg), 8. Zorenappelweg (Verbindungsweg zwischen 4. und 5.).
Die kleine Siedlung an der Südseite der Tessiner Chaussee behält den Namen "Kriegerheimstätten". ...
Gegeben im Rate zu R o s t o c k ,  den 19. April 1921"

Damit war die Taufe vollzogen. Wie man sehen kann, ist die Bezeichnung für die gesamte Siedlung eindeutig. Gleiches kann man von den Straßennamen wohl nicht sagen. Ausweislich der Akten aus den folgenden Jahrzehnten offenbaren diese eine große Unsicherheit hinsichtlich der korrekten Schreibweise.

Am 28. April 1921 teilte der Rat dem in Harburg lebenden Sohn Brinckmans Maximilian (?) die Namensverleihung mit:
"Hochgeehrter Herr Kommerzienrat!
Es ist uns eine aufrichtige Freude, zu Ihrer Kenntnis zu bringen, dass Rat und Stadtverordnetenversammlung beschlossen haben, das Andenken Ihres Vaters, dem bereits ein Brunnen in unserer Stadt geweiht ist, durch Verleihung des Namens Rostock-Brinckmansdorf an die bei den neuen Anlagen an der Tessiner Chaussee zu schaffenden Siedelung, zu ehren. Die Wegenamen dieser Siedelung  werden ausschließlich  aus den Werken Ihres Vaters entnommen werden.  So wird das Andenken  an unseren großen Rostocker Dichter, welches im Herzen aller Rostocker für alle Zeiten sicher bewahrt ist, auch äußerlich lebendig erhalten werden.
Wir hoffen, dass die von uns als Zeichen des Dankes  und der Verehrung der alten Vaterstadt John Brinckman's  gefassten Beschlüsse auch bei Ihnen  als dem Sohn freudigen Anklang finden werden."

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