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Stadtpark
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Karte Stadtpark (Kartenbild © HRO Rostock (CC BY 3.0))
zum Vergrößern klicken Flurkarte Kassebohm 1902
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Plan von Schomburg 1920
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Riedelsche Dachpappenfabrik vor 1928
zum Vergrößern klicken Karte Brinckmansdorf um 1930
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Plan Festplatz 1955
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Plan Stadtpark 1965
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Plan John-Brinckman-Park 1968
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Plan Begrünung 1972
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Plan John-Brinckman-Park
Umgestaltung bis 1980
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Begrünungskonzept Freizeitcenter 1990
StadtparkHistorische Ansichten NNN
Fritz-Reuter-SteinHistorische Ansichten NNN
SchweizerhausHistorische Ansichten NNN
Der Stadtpark in Brinckmansdorf
von Hans-Heinrich Schimler; Rostocker Zorenappels 5; Verlag Redieck & Schade

"Am Weißen Kreuz kommt gleich der waldige Park. Vornan der kleine Teich mit hopsenden Fröschen und etwas weiter die schmale, hoch gewölbte Eisengeländerbrücke über dem Schienenstrang nach Ribnitz. Hinter der Brücke, etwas bergauf, kamen wir an dem großen Garten- und Tanzlokal ,Schweizerhaus' vorbei. Weiter ging es bis an den Waldessaum, hinter dem die Felder nach Roggentin begannen. Auf dem Rückweg wurde in der kleinen Waldschänke ,Zum Einsiedler' ein Glas Bier getrunken, im Freien, im Grünen unter Kiefern und Buchen, an den fest in den Boden gerammten Tischen und Bänken."

Was Werner Tschirch in seinen Erinnerungen "Rostocker Leben im Rückblick auf 1900" erzählt, war damals längst zu einem der beliebtesten Wochenendvergnügen geworden. Der Stadtpark in Brinckmansdorf war ein viel besuchtes Ausflugsziel vor den Toren der Stadt.
Soweit zu ersehen, hatte sich die Stadt 1875 entschlossen, vor dem Mühlentor an der damaligen Tessiner Chaussee als Gegenstück zu den bereits gut besuchten Barnstorfer Anlagen einen weiteren, noch näher an der Stadt gelegenen Park zu schaffen. Am 8. Februar jenes Jahres erhielt Stadtgärtner Wilcken einen "Situationsplan vom Cassebohmer
Feldmarkstück für den neuen Stadtpark" zur Prüfung vorgelegt. Damit ist schon gesagt, dass das dafür vorgesehene Gelände zwischen dem Weißen Kreuz und den Kramonstannen zum Pachthof Kassebohm gehört. Das Dorf wird 1233 erstmals erwähnt. Nachdem ein Ritter Gerhard es 1288 an zwei Rostocker Bürger zum Lehen gegeben hatte, kam es später in den Besitz der Moltkes und 1329 endgültig in Rostocker Besitz.
Zum Terrain des Dorfes gehörte auch der Kramonsberg. Im Jahre 1800 begannen sich bis 1805 hinziehende von Förster Hermann Friedrich Becker angeregte Verhandlungen zur Aufforstung des Berges zum Schutz der Kassebohmer Äcker. Ein Jahr später konnte mit der Besämung begonnen werden. Die erforderlichen Tannensamen kamen aus der Lüneburger Heide. Die Kramonstannen, nach ihrer Lage vor dem Mühlentor auch Möhlendursche Tannen, erstreckten sich entlang der Tessiner Chaussee vom späteren Schweizerhaus aufwärts bis zu den 1921 errichteten Kriegerheimstätten. Sie sind, wie der Flurnamensammlung des Stadtarchivars Ludwig Krause zu entnehmen ist, mit den Variationen Cramon, Carmon, Kermon, nach einer Familie benannt. 1830 wurde wegen spärlichen Wuchses entlang der Straße noch einmal nachgesämt. Besonders an den Straßenrändern, so heißt es, seien junge Pflanzen etwa bei militärischen Bewegungen niedergetrampelt worden.

Die Anlage des Stadtparks rückte die Tannen weiter ins Blickfeld der sonntäglichen Spaziergänger. Flurkarten belegen die sich entwickelnde Situation. Auf einer Karte von 1853 sind im unteren Bereich am Weißen Kreuz Parzellen für Rostocker Bürger verzeichnet. Sie reichten bis zum "Neuen Verbindungsweg mit dem Petridamm", der auf einer Flurkarte von 1870 unter diesem Namen verzeichnet ist. Auch auf ihm sind die Parzellen noch vorhanden. Der östlich angrenzende Bereich wird als II. Schlag bezeichnet. Bei dieser Karte handelt es sich um den "Situationsplan von den successive von dem zur Rostocker Kämmerei gehörenden Pachthof Cassebohm reservierten und zu städtischen Zwecken benutzten Flächen, angefertigt Juli 1870 von H. Saniter". Das anschließende Stück bis zu den Kramonstannen wird als Cassebohmer Acker bezeichnet. Auf einer Flurkarte von 1874 ist keine Bezeichnung zu erkennen. In Ludwig Krauses Flurnamensammlung heißt es "Schafweide des städtischen Pachthofes Kassebohm". An Stelle des am 30. Mai 1875 verstorbenen Gärtners  Wilcken, den die Rostocker Zeitung tags darauf als den "technischen Schöpfer der Rostocker Anlagen" würdigte, wurde der Stadtpark nun nach einem Plan vom Schweriner Gartenbaudirektor Theodor Klett gestaltet. Ab 1876 erhaltene Rechnungen belegen umfangreiche Arbeiten. Etliche Anpflanzungen wurden vorgenommen und Wege angelegt. Gesellschaftlicher Mittelpunkt des Stadtparks sollte das Schweizerhaus werden. In einem Artikel der Rostocker Zeitung vom 6. August 1875 heißt es dazu: "Am Sonntag, den 8. d. Mts., findet nunmehr die Eröffnung des neu erbauten Schweizerhauses des Herrn Cordua vor den Cramonstannen statt. Über die Lage desselben können wir uns nur günstig aussprechen. Nicht allein der schöne Spaziergang dorthin, sondern auch die hübsche freie Aussicht wird sicherlich große Anziehungskraft üben. Gutes Bier wird uns in Aussicht gestellt. Die feierliche Einweihung des Locals wird, wie wir hören, am Sonntag, den 15. d. M., mit freiem Conzert (statt)finden." Gustav Brückner, der erste Gastwirt, inserierte denn auch am selben Tag: "Das neu erbaute, dem Brauerei-Besitzer R. Cordua gehörende Restaurations-Local, comfortable eingerichtet, wird den hochgeachteten Herrschaften der hiesigen Stadt und Umgebung zur gütigen Beachtung durch unterzeichnete Vertretung bestens empfohlen." Bierbrauer Cordua hatte seine städtische Adresse am Amberg 14.

Ganz so frei ist die Aussicht angesichts des über die Jahrzehnte üppig gewachsenen Baumbestandes und der Häuser auf der anderen Straßenseite heute natürlich nicht mehr. Doch von der Tessiner Straße aus gibt es nach wie vor einen eindrucksvollen Blick auf Rostock.

Das Lokal entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer der beliebtesten Vergnügungsstätten der Rostocker Bevölkerung. 1960 kam es noch einmal zu größeren Umbauarbeiten, nach denen es am 29. April 1961 wiedereröffnet wurde. 1979 wurde das Schweizerhaus schließlich abgerissen. An seine Stelle trat das Trihotel, in dessen Biergarten es sich sicher ein wenig anders, jedoch nicht weniger gemütlich sitzen lässt.

1883 errichtete man in den Kramonstannen das von Werner Tschirch erwähnte Gasthaus "Einsiedler". Auch diese einstige Pfingstmarktbude erfreute sich, zu einem Gartenlokal ausgebaut, allgemeiner Beliebtheit. Die Geschichte des Einsiedlers lässt sich jedoch noch gut zwanzig Jahre weiter zurückverfolgen. Denn schon das Rostocker Adressbuch von 1864 verzeichnete den Gastwirt F. H. Kindt als Schenkwirt in den Cramonstannen vor dem Mühlentor. Zwei Jahre zuvor war dieser Kindt noch Schenkwirt auf Carlshof vor dem Petritor, einem Ausflugslokal, das er an den Gastwirt Heinrich Moll abgab. Der Einsiedler blieb jahrzehntelang im Familienbesitz. Im Adressbuch von 1949/50 ist Artur Sobisch als Betreiber verzeichnet. In den fünfziger Jahren kam auch für den Einsiedler das Ende.

An dem von Tschirch beschriebenen Teich spazierte man parkaufwärts vorbei bis auf den Cramonsberg. Nur die Brücke mit den Eisengittern gab es zunächst natürlich nicht. Sie entstand mit der 1887 gebauten Ribnitzer Eisenbahn, die quer durch den Park und zu einigen Einschnitten führte.
Zur gärtnerischen Qualität des Stadtparks heißt es in einem Artikel der Rostocker Zeitung vom 19. Januar 1902, der Park sei nach "einem Plane des Gartenbaudirectors Klett-Schwerin ausgeführt, dem namentlich die freie Durchsicht durch das ganze Gelände vorzüglich gelungen ist. Die Durchquerung des Stadtparks durch die Stralsunder Eisenbahn (1887/89), vernothwendigte eine Überbrückung dieses Durchstichs." Seit der 1972/73 in Planung gegangenen Verbreiterung der Tessiner Straße und dem zweispurigen Ausbau der Eisenbahnlinie in den Jahren gibt es die alte Fußgängerbrücke nicht mehr. Und auch der Teich ist nicht mehr da.

Pläne des Stadtgärtners und späteren Stadtgartendirektors Wilhelm Schomburg von 1910 sahen die Anlage von Spazierwegen in den Cramonstannen vor. Am 21. Juli 1912 wurde mit einem festlichen Tag der Fritz-Reuter-Gedenkstein unterhalb des Schweizerhauses eingeweiht. Nachdem am 2. Januar 1920 der Bau der Kriegerheimstätten an den Cramonstannen mit einem Spatenstich begonnen wurde, erhielt die neue wachsende Siedlung auf der Kassebohmer Feldflur nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 11. April 1921 den Namen Brinckmansdorf.

Aus dem Jahr 1920 liegen Pläne Wilhelm Schomburgs für den Stadtpark vor. In einem Plan der großen Spielwiese hinter dem Schweizerhaus sind Wegebauarbeiten verzeichnet. 1921 legte Schomburg einen Plan des Spielplatzes beim Schweizerhaus mit zwei Baumreihen vor. Er war die Grundlage für das Abholzen der Baumreihen, um "dem Verlangen nach geeigneten Spielflächen zu entsprechen." Im darauffolgenden Jahr wurde der Spielplatz durch Abholzen der beiden inneren Baumreihen vergrößert.

Ein besonders interessantes Kapitel der Geschichte des Stadtparks ist sicher das Bemühen eines bekannten Rostocker Geschäftsmannes um eine Rodelbahn. Dazu liegt ein Briefwechsel von 1924 zwischen dem Rat der Stadt und Hermann Balgé, einstiger Hoflieferant Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs und als Sport-Balgé sicher vielen Rostockern noch heute in Erinnerung, vor. Darin geht es um die Anlage einer Rodelbahn sowie die Anregung zum Spendensammeln für diese Idee. Die Bahn, für die Balgé eigene Entwürfe vorlegte, sollte über 600 m Länge abwärts mit Überquerung der Eisenbahn und des Teiches bis zum Weißen Kreuz führen. Der Briefwechsel zwischen der Stadt und Balgé zog sich über vier Jahre hin. 1927 erneuerte er seine Anregung im Zusammenhang mit der Parkerweiterung und der Wurmberg-Aufforstung. Er verlegte die Pläne an die Nordseite des Parks und erhielt dafür auch eine Zustimmung Schomburgs. Die Nordlage sei günstig, betonte der, weil der Schnee dort unter den Nadelbäumen länger liegen bliebe. Rodelbahnen im Gebirge seien dafür das beste Vorbild. Umgesetzt wurden die Pläne nicht.

Auch Schomburg hatte einen Entwurf für eine Rodelbahn vorgelegt. Sie sollte vom Wurmberg zur Eisenbahnlinie herabführen und 380 Meter lang sein. Der Wurmberg gehörte ursprünglich nicht zum Stadtpark. Er sollte nach dem Vorschlag einer Ratssitzung vom 8. März 1927 aus dem Besitz des Gutes Kassebohm zur Vergrößerung des Stadtparks ausscheiden und in "einfachster Form" aufgeforstet werden. 8.500 Reichsmark wurden dafür bereitgestellt. Die erforderlichen Pläne kamen wieder von Wilhelm Schomburg. Das von ihm entworfene Rondell auf dem Wurmberg ist noch heute zu erkennen. Der Plan zur Errichtung der Rodelbahn wurde allerdings am 22. August 1927 per Schreiben des Stadtamtsmannes aus Kostengründen abgelehnt.
Gerodelt wurde dennoch, etwa auf Bahnen auf den Hügeln beim Fritz-Reuter-Stein. 1914 ging es dem Kaufmann W. Garthe um deren Pflege. Außerdem kam der Wunsch nach einer richtigen Rodelbahn auf. 1937 schlug der Bürger Werner Crull erneut den Bau einer Rodelbahn vor, der ebenfalls abgelehnt wurde. Auch Pläne für eine Freilichtbühne nach Lübecker Vorbild kamen nicht zustande.

Am Abend des 2. Juni 1928 brach in der am Rönngraben unterhalb des Schweizerhauses gelegenen Riedelschen Dachpappenfabrik ein Feuer aus. Noch bevor ein etwa 800 Meter langer Schlauch vom Verbindungsweg hergelegt werden konnte, waren das Fabrikgebäude und der Trockenschuppen des 1842 von Dietrich Riedel an dieser Stelle errichteten Unternehmens vollständig niedergebrannt. "Beim Eintreffen der Feuerwehr brannte das Fabrikgebäude lichterloh. Meterhoch schlugen die Flammen und gaben dem Wald ein gespenstisches Aussehen. Bei dem Wüten des entfesselten Elements war an eine Rettung des Gebäudes selbst nicht zu denken [ ... ] ", berichtete der Rostocker Anzeiger über das Ereignis. Pioniere des Rostocker Reichswehrbataillons sprengten einige Zeit später den stehen gebliebenen Schornstein.

Schon vor diesem Ereignis hatte die Stadt ihr Interesse am Erwerb der Fabrik einschließlich des Grundstücks zur Erweiterung des Stadtparks bekundet, wie aus einem Schreiben der Kämmereiverwaltung an das Gartenamt vom 2. Januar 1928 hervorgeht. Am 2. Februar wurde der Vertrag zwischen der Stadt und Hans Burchard, dem Eigner der Dachpappenfabrik und Nachfahren von Dietrich Riedel, geschlossen. Ein Jahr später wurde der Räumungstermin auf den 1. April 1929 festgelegt, später jedoch angesichts des strengen Winters bis zum 1. Oktober verlängert. In einem weiteren Brief zwischen den beiden Ämtern vom 30. Dezember 1930 wird berichtet, dass das Gelände vollständig geräumt und eingeebnet ist. Lediglich das einstige Verwaltungsgebäude blieb noch lange als Wohnhaus erhalten und ist erst im Jahre 2000 abgerissen worden. Gute Erinnerung daran hat noch Erika Ruwoldt. Wohnte die Familie doch fünfundsechzig Jahre lang in dem Haus (Mietvertrag von 1935). Hans Burchard baute damals an der Petribrücke eine neue Fabrik. Das traditionsreiche Unternehmen ist an gleicher Stelle als Riedelsche Dachbaustoffe noch immer eine gute Adresse für Dachhandwerker und Bauherren.

Mit Wurmberg und dem Riedelschen Gelände hatte der Stadtpark seine größte Ausdehnung erreicht. Durch die Verbreiterung der Tessiner Straße büßte er wieder an Fläche ein. Beseitigt wurde der sowjetische Panzer, der an die Befreiung Rostocks durch die Rote Armee erinnerte. 2003 wurde der Rönngraben renaturiert.

Neben zahlreichen Sträuchern, die auf rund 12.000 m² der Fläche stehen, gehören 20 Baumarten, darunter Ahorn, Esche, Birke, Eiche und Rosskastanie zum Bestand des Stadtparks. Darüber hinaus gibt es Buchen, Linden, Hainbuchen, Platanen, Weiden und Ulmen sowie mit der Zweizeiligen Sumpfzypresse und der Kaukasischen Flügelnussgruppe noch zwei Naturdenkmale. In den Cramonstannen gibt es zwei weitere Baumnaturdenkmale, eine Vogelkirsche und einen Bergahorn. Die beiden ersten sind eher botanische Seltenheiten, die beiden anderen besonders alte Exemplare. Buchen, Ahorn und Eichen machen den größeren Teil des Baumbestandes in den Cramonstannen aus. Nadelgehölz steht mit Tannen, Kiefern und Fichten nur noch auf zehn Prozent der Fläche.

Welchen Wert die Brinckmansdorfer Parks einschließlich des Wossidloparks für Rostock haben, ist besonders gut aus der Ferne zu erkennen. Ein eindrucksvoller Blick auf den Cramonsberg mit seinen hohen Bäumen in den Cramonstannen und im Stadtpark ist von der Straßenecke Richard-Wagner-Straße / Beim Güterbahnhof aus möglich. Vom Petridamm über den Wossidlopark gibt es ebenfalls eine schöne Sicht.

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