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zum Vergrößern klickenKassebohm
(Kartenbild © HRO Rostock (CC BY 3.0))
Zum Vergrößern klickenVermessungsplan um 1982
Kassebohm nach 1945
Karl Scheube

In Kassebohm war vieles nicht mehr wie zuvor. Durch den 2. Weltkrieg waren in Kassebohm keine schweren Zerstörungen entstanden. Die Scheune neben dem großen Stall, der umgebaut als Wohnhaus heute noch steht, wurde 1942 durch eine Brandbombe zerstört. Die unmittelbare Nähe einer Flakstellung der Wehrmacht sollt das Ziel sein.
Das  ehemalige 1839 erbaute Gutshaus war nicht mehr der Mittelpunkt eines Dorfgeschehens. Wegen der großen Wohnungsnot fanden hier einige Familien, Flüchtlinge und  Umsiedler Unterkunft.
Mit dem Befehl Nr. 209 des obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland, Marschall der Sowjetunion Wassili Danilowitsch Sokolowski, vom 9. September 1947 wurde die Schaffung von Neubauernhöfen in der Sowjetischen Besatzungszone geregelt, die Bodenreform.
Zu diesem Zweck ordnete der Befehl auch die Gewinnung des erforderlichen Baumaterials aus den „Baulichkeiten ehemaliger Gutsbesitzerhöfe“ an.
Durch die Bodenreform erfolgte eine Aufteilung in 25 Einzelparzellen von ca. 5 ha. Jeder Bauer erhielt eine Bodenreformurkunde zum persönlichen, vererbbaren Eigentum. Die festgeschriebene Vererbbarkeit hatte man aber nach der Wende „vergessen“.
Somit begann in Kassebohm langsam ein Leben mit alten und neuen Bewohnern. Der Bau von 7 Neubauernhäusern mit halb Wohnhaus und halb Stall und der Ausbau von Nebengebäuden des Gutshauses wie Scheunen, Ställe und Schnitterkaten zu ca. 15 Wohnungen auch für einheimische Familien war ein wichtiger Grundstein für ein funktionierendes Dorf.                                                   
Von den Neubauernhöfen sind in Kassebohm noch 5 Häuser mit verschönerter Fassade und Anbauten vorhanden. Der Ausbau der Ställe erfolgte in den 70er Und 80er Jahren.
Nach und nach bezog man den neuen Wohnraum und das Gutshaus ist 1952 als Altersheim genutzt, ab den 70er bis 80er als Suchtklinik umgebaut und bis in die 90er Jahre betrieben worden.
Die anfänglichen 25 Bauernsiedlungen verringerten sich in den Folgejahren. Teils Aufgabe aus Krankheit und Altersgründen, Teils aber auch aus wirtschaftlichen Gründe wegen der hohen Sollabgaben und Ähnlichem.
Die Einzelbauern bestellten ihre Äcker und hielten sich entsprechend Vieh wie Rinder Schweine und natürlich Geflügel für Ihren Eigenbedarf und natürlich zur Erfüllung des auferlegten Abgabesolls. Jeder Bauer hatte mindesten ein Pferd für diverse Transporte, zur Feldbestellung, der Ernte oder um in die Stadt zu fahren, um wichtige Besorgungen usw. zu erledigen. Anfangs wurden die Milchkannen von einem Bauern eingesammelt und mit dem Pferdewagen zur Molkerei nach Rostock in die August-Bebel-Straße gefahren. Erst 1956 musste eine neue Molkerei in der Neubrandenburger Straße gebaut werden, da das Milchaufkommen in der veralteten Molkerei nicht mehr verarbeitet werden konnte. Viele Arbeiten wurden gemeinsam oder mit gegenseitiger Unterstützung ausgeführt. Besonders in der Erntezeit, auf dem Feld oder am Dreschkasten spürte man einen Zusammenhalt. Erntefeste wurden traditionell gefeiert, ebenso wie nun auch der 1. Mai. Auch das Tonnenabschlagen auf dem Dorfplatz, gegenüber der großen Scheune, kam zum Einsatz.
Die Kinder wuchsen mit viel Natur aber auch mit viel Arbeit auf. Die Schule war anfänglich in den verschiedenen Einrichtungen in Brinckmansdorf, dann in der Altstädtischen Schule am Alten Markt sowie in der Großen Stadtschule. Es ging zu Fuß hin und zu Fuß zurück. Die neue Schule in Brinckmansdorf wurde 1961 gebaut. Zu Hause fand man neben Schularbeiten und Spielen aber sehr oft einen Zettel: „wir sind auf dem Feld da und da, kommt nach“, Rübenverziehen oder -hacken war angesagt. Richtigen Winter gab es sogar und oft mit viel Schnee, aber auch mit Freude am Rodeln, Schlittschuhlaufen und Eishockeyspielen.
Anfang der 50er Jahre kam zum Antrieb des Dreschkastens sogar noch eine Dampfmaschine zum Einsatz, dann Traktoren mit Riemenscheibe, anfangs Lanz Bulldog, dann Pionier aus DDR-Produktion, dann E-Motoren. Die Hilfen durch die MAS, Maschineausleihstation, dann später MTS Maschinen-Traktoren-Station genannt, war von den einzelnen Bauern nicht zu stemmen.
Der politische Druck ab 1952 zum Zusammenschluss der Bauern nach dem sowjetischen Prinzip zur Kolchose wuchs immer mehr. Die massive „Werbung“ zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, die Angst vor Benachteiligung als Einzelbauer wie bei der Beschaffung von Saatgut, Düngemitteln, Nutzung von Maschinen, die Sollerfüllung usw., zwangen die Kassebohmer  Bauern 1961 zur Gründung der LPG   Typ I  „Glückliche Zukunft“. Es waren anfänglich 12 Bauern, die sich zur LPG Typ I zusammenschlossen. Im Typ I blieb die Tierhaltung in eigener Verantwortung, das Land kam in einen Topf, es wurde gemeinsam bewirtschaftet. Der politische und auch der wirtschaftliche Druck hielt an. Die Grenzen waren ab 13. August 1961 dicht. Am 07.05.1969 erfolgte dann der Zusammenschluss / Anschluss der LPG „Glückliche Zukunft“ Typ I Kassebohm mit der LPG Warnowufer Typ III Kessin.  Beim Typ III wurde Land und Vieh gemeinsam bewirtschaftet.
Die ehemaligen Kassebohmer LPG Mitglieder wurden in den Bereichen Pflanzenzucht, Tierzucht und Melioration verstreut eingesetzt. Viele gaben aber aus wirtschaftlichen, Alters- und Gesundheitsgründen auf oder hatten eine andere Erwerbsmöglichkeit in der Stadt.
In Kassebohm wurden die teilweise nicht mehr genutzten Ställe der Neubauernhäuser für Wohnzwecke ausgebaut und sogar neue Einfamilienhäuser wie vom Typ EW 65 gebaut.  Die Bauern, genauer gesagt die Bäuerinnen hielten weiterhin Geflügel zur Eierablieferung bei der VEAB und Eigenbedarf. Der ehemalige Maschinenschuppen wurde Zentrallager für die „Utensilien“ der 1. Maitribüne der Bezirksstadt und ähnlichen Veranstaltungen. Jeder versuchte für sich das Beste zu machen. Der Zusammenhalt ließ immer mehr nach.
Mit der politischen Wende hat sich das am Stadtrand gelegene Dorf, obwohl es nie ein Dorf war, denn es fehlten Kirche und Kneipe, stark entwickelt.

  • zur 1. Freien Wahl im März 1990 waren es 80 Wahlberechtigte in Kassebohm, ca. 35 Wohnungen / Wohnhäuser
  • Frühjahr 1994, B-Plan 12.GE.76, Neue Molkerei der Molkereigenossenschaft „Küstenland“ in der Neubrandenburger Straße
  • September 1999, B-Plan 12.W.29, Wohngebiet Kassebohm, 125 ha, Wohnbauflächen rd. 650.000 m², Grün- und Freiflächen rd.420.000 m², vorh. Wald 3.200 m²
  • Per 31.12. 2019, 3.079 Einwohner,   1.157 Gebäude mit Wohnungen
  • Frühjahr 2002, B-Plan 12.GE.68 Gewerbegebiet Kassebohm, ehemaliges Gelände IKN, Betonwerk und ganz früher Kaffee Reimer, die Rösterei war im Kassebohmer Weg, da wo auch mal die Autowerkstätten von IKN (Industriekooperative Nord) waren.
  • Sommer 2018, B-Plan „Ehemalige Molkerei“ Teilbereich I, auf rd. 10,5 ha werden ca. 500 Wohnungen gebaut, zum Teil 3-geschossig
  • Noch nicht rechtskräftig B-Plan 12.WA.186, „Warnowniederung“, ehemalige Zuckerfabrik / Chemiehandel

Aus Kassebohm ist ein schönes, immer noch wachsendes Wohngebiet mit Gewerbeeinheiten entwickelt worden.

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